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Klimawandel steigert Waldbrandgefahr

In den Voralpen erwarten Forscherinnen ds WSL-Instituts für Schnee- und Lawinenforschung SLF ab 2040 eine erhöhte Waldbrandgefahr aufgrund der sich verändernden Klimabedingungen. Derzeit ist diese dort noch sehr gering, aber das dürfte sich durch den Klimawandel ändern.


Die Gefahr von Waldbränden dürfte im Laufe des 21. Jahrhunderts deutlich steigen. Es ist zu erwarten, dass sie bis 2100 sogar in Regionen hoch sein wird, in denen sie heute nur sehr gering ist. Das geht aus einer Studie von Julia Miller hervor, Doktorandin in der Forschungsgruppe Hydrologie und Klimafolgen in Gebirgsregionen am WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF.


Die Prognosen zeigen, dass das Gefahrenpotential kontinuierlich zunehmen wird, jedoch tritt es ab 2040 über den natürlichen Schwankungsbereich des Klimas hinaus und ist ab diesem Zeitpunkt auf den Klimawandel zurückzuführen. Am Beispiel der Bayerischen Voralpen bedeutet dies, dass die meteorologische Waldbrandgefahr ab 2040 schneller steigt und bis Ende des 21. Jahrhunderts die Stufe «hoch» erreichen wird – von aktuell «gering». Wetterbedingungen, die Waldbrand auslösen können, die heute nur alle sechzig Jahre vorkommen, werden 2090 im Durchschnitt alle zehn Jahre auftreten. Die Projektionen zeigen ebenfalls, dass günstige Wetterbedingungen für Waldbrände bereits früher im Jahr als heute auftreten werden, also bereits etwa im Mai. Derzeit beginnt die Saison oft im Juni. Eine bereits trockene Vegetation trägt ebenfalls dazu bei, dass sich Feuer einfacher entfachen und schneller ausser Kontrolle geraten können. «Selbst in Regionen mit gemässigtem Klima ist es daher künftig erforderlich, sich auf Waldbrände vorzubereiten», sagt Miller. Das reicht von Wasserreservoirs für Löschhelikopter bis hin zu Warntafeln, um die Menschen vor Ort für die Gefahr zu sensibilisieren.


Miller prognostiziert: «Die Anzahl Tage, an denen die Waldbrandgefahr mindestens «hoch» ist, wird sich bis zum Ende des 21. Jahrhunderts mehr als verdoppeln.» Faktoren wie heisses, trockenes und windiges Wetter begünstigen den Trend. Sommerliche Hitzewellen und Dürreereignisse verringern zudem die Bodenfeuchtigkeit, und die Vegetation fängt leichter Feuer. Miller greift damit ein Thema auf, das der Weltklimarat (IPCC) in einem Bericht aus dem Jahr 2021 erwähnt hat.


Für ihre Studie verwendete Miller mehrere Klimavariablen und berücksichtigte natürliche sowie klimabedingte Schwankungen. Sie berechnete ihre Prognosen auf Basis des kanadischen «Fire-Weather-Index» (FWI). Der FWI stützt sich auf meteorologische Daten und ist eine numerische Bewertung, wie gut sich Brennmaterial (z.B. Bäume, Totholz, trockene Blätter) entzünden und wie schnell sich ein Brand entwickeln kann. Während der Mittelmeerraum und der Westen Kanadas historisch gesehen brandgefährdet sind und auf einer grösseren regionalen Ebene gut untersucht wurden, haben Waldbrände in den gemässigten Klimaregionen Europas bislang weniger Aufmerksamkeit von Seiten der Wissenschaft erhalten. Miller verwendete für ihre Untersuchungen Wetterdaten aus dem hydrologischen Bayern (Einzugsgebiet der Donau, des Mains und der Elbe), welches sie in vier verschiedene geografische und klimatische Subregionen eingeteilt hat.


Da der FWI den Vegetationszustand nicht berücksichtigt, möchte Miller in ihrer nächsten Studie herausfinden, welche Rolle Bodenfeuchte und Trockenheit der Vegetation bei der Waldbrandgefahr spielen. Zudem analysiert sie, unter welchen klimatisch zusammenhängenden Bedingungen die Gefahr am grössten ist und beleuchtet die regionalen Unterschiede innerhalb Europas. «Unser Ziel ist es zu zeigen, dass Waldbrände in Europa unterschiedliche Treiber haben können. Dazu möchten wir die regionalen und saisonalen Unterschiede herausarbeiten, um die klimatischen Faktoren besser zu verstehen, die zu grossen und unkontrollierbaren Waldbränden führen», sagt Julia Miller.



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