VW-Abgasskandal adé: Wasserstoff macht Diesel überflüssig

LifeGen.de, 28.8.2017. Die Bundesrepublik könnte in Sachen Mobilität innerhalb kürzester Zeit ganz ohne Gas, Benzin und Diesel auskommen. Herkömmliche Tankstellen und Raffinerien hätten dann endgültig ausgedient. Die Automobilindustrie profitierte vom radikalen Schwenk weg vom Öl und hin zu einer wirklich neuen Technologie, die Diskussionen um Diesel-Abgawaswerte mit einem Schlag der Vergangenheit angehören ließe – weil es keine fossilen Treibstoffe für Autos mehr gäbe. Zukunftsmusik? Utopie? Keinesfalls, wie die Bestsellerautoren Marita Vollborn und Vlad Georgescu in ihrem Sachbuch Kein Winter, nirgends. Wie der Klimawandel Deutschland verändert bereits 2012 – also fünf Jahre vor dem VW-Dieselskandal – beschrieben. Lesen Sie einen Auszug aus dem Buch, das VW-Manager auf der heutigen Fahndungsliste des FBI vor fünf Jahren hätten lesen sollen.



Dass das Auto der Zukunft mit einer Brennstoffzelle fährt und Wasserstoff tankt, ist als Idee nicht neu. Bis vor kurzem scheiterten allerdings viele Konzepte an einer Schwäche der Technologie: Ein Wasserstoff-Fahrzeug zu betanken dauerte mehr als eine Stunde. Zudem wurde in den Anfängerjahren der visionären Technologie der Wasserstoff aus dem Tank derart langsam freigesetzt, dass er die Leistung des Antriebs spürbar begrenzte. Erst im Jahr 2003 gelang Wissenschaftlern des Forschungszentrums Karlsruhe ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu besseren Wasserstoffspeichern: Mit Nanopartikeln verringerten sie die Ladezeit auf wenige Minuten.


Bei den Titan-Nano-Clustern handelt es sich um Millionstel kleine Teilchen. Der Metallkern der Partikel besteht aus nur 13 Atomen – einem Zentralatom und einer Schale aus weiteren 12 Atomen. Stabilisiert werden die Partikel durch eine Hülle aus Lösungsmittelmolekülen, die den Metallkern umschließt. Dieser ist so klein, dass er auch unter leistungsstarken Elektronenmikroskopen nicht sichtbar wird. Zur Untersuchung wurden stattdessen aufwändige Analyseverfahren angewandt, wie sie an der Synchrotronstrahlenquelle ANKA des Forschungszentrums zur Verfügung stehen. Damit die Cluster den gewünschten Effekt im Wasserstoffspeicher erzielen, wird eine geringe Menge davon mit dem Speichermaterial Natriumalanat vermischt und das Gemenge unter Luftausschluss sehr fein gemahlen. Dadurch entsteht eine Mischung der beiden Komponenten, ein so genanntes Nanokomposit. Dieses ist das eigentliche Speichermaterial.


„Während man bisher mit über einer Stunde rechnen musste, bis das Speichermaterial Natriumalanat (ein Metallhydrid des Aluminiums mit der chemischen Formel NaAlH4) zu 80 Prozent wieder aufgeladen war, ist es mit einem speziellen Typ von Titan-Nanopartikeln möglich, das Gleiche in der Rekordzeit von sieben bis acht Minuten zu schaffen“, teilte das Forschungszentrum im Mai 2003 mit und publizierte die Ergebnisse im Fachblatt „Nanotechnology“ – der Durchbruch war geschafft. Selbst das Laden eines Hochleistungsakkus für Camcorder oder Laptops verläuft damit langsamer als die Betankung der Null-Emissions-Autos der Zukunft.