Satelliten gegen Seuchen

Durch die Kombination von satelliten-gestützten Wetterdaten mit Sensormessungen der Erdoberfläche direkt aus dem All wollen Mediziner den Ausbruch Vektor-bedingter Seuchen vorhersagen. Erste Erfolge in Afrika sind bereits sichtbar. Auch die alljährliche Grippeviren-Verbreitung rückt ins Visier der Satelliten.


Die Signale kommen aus 36.000 Kilometern Entfernung, direkt aus dem All. Doch während die Daten des METEOSAT-Satelliten für Meteorologen das Nötigste für die nächste Wettervorhersage liefert, verfolgen Wissenschaftler am an der Liverpool School of Tropical Medicine in Großbritannien ein anderes Ziel: Mit Hilfe von Satelliten soll die Verbreitung und der Ausbruch lebensbedrohender Krankheiten wie Malaria, AIDS oder Meningitis weltweit rechtzeitig erkannt und vorhergesagt werden.


Ein hehres Unterfangen, das Millionen Menschen das Leben retten könnte - wenn es gelingt. Die Chancen stehen gut. Tatsächlich ist der Gedanke, Satellitendaten für epidemiologische Zwecke und damit als Hilfsmittel für Mediziner gerade in der Dritten Welt einzusetzen, ebenso einfach wie realisierbar. Die Idee: Die Verbreitung vieler Krankheiten erfolgt über ganz spezielle Wirte, den so genannten Vektoren. Diese dienen den Erregern als "Taxi" auf dem Weg zum eigentlichen "Opfer".


Ob Anopheles Mücken als Überträger der Malaria oder Meningokokken-Bakterien als Auslöser schwerer Hirnhautentzündungen - die Erreger-transportierenden Vektoren gedeihen selbst nur unter ganz bestimmten klimatischen Bedingungen. So vermehrt sich der Überträger der Malaria, die Anopheles-Mücke, immer dann besonders stark, wenn es zu ausgiebigen Regenfällen und damit verbunden zu besonders vegetationsreichen, also "grünen" Biotopen in Afrika kommt. Wann das Klima für die "paradisischsten" Anopheles-Bedingungen sorgt verrät der Satellit: Spezielle Sensoren (remote-sensing) registrieren die Oberflächen- und Meerwassertemperaturen, zeichnen jeden Busch und jedes Anzeichen einer Vegetation auf. Aus der Überlagerung des status quo auf der Erde und dem voraussichtlichen Niederschlagsverhalten im betroffenen Gebiet berechnen Hochleistungscomputer schließlich eine digitale Karte des möglichen Verbreitungsweges der Seuche.