MRSA-Bakterien befallen seit 2013 Altenheime

Die weltweite Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen ist ein schwerwiegendes Problem bei der Behandlung bakterieller Infektionen. Jährlich infizieren sich allein in Deutschland eine halbe Million Menschen in Krankenhäusern mit multiresistenten Keimen. Antibiotika, die Bakterien normalerweise erfolgreich bekämpfen, sind dann wirkungslos. Für bis zu 15.000 Menschen endet eine solche Infektion jedes Jahr tödlich. Vor allem MRSA-Bakterien befallen Deutschlands Altenheime - was seit 2013 bekannt ist.


Mehr Menschen als vermutet tragen sogenannte MRSA-Bakterien in ihrem Körper. Zu diesem überraschenden Ergebnis kamen Ärzte und Wissenschaftler des Städtischen Klinikums Braunschweig und des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in einer Kooperation mit dem Gesundheitsamt der Stadt Braunschweig bereits vor Jahren. Sie haben untersucht, wie häufig Antibiotika-resistente Staphylococcus aureus-Bakterien in Braunschweiger Altenheimen vorkommen. Die Häufigkeit lag im Mittel sechsfach über dem geschätzten Wert. In fast allen untersuchten Altenheimen fanden die Forscher MRSA-Bakterien. MRSA steht für Methicillin-resistente Staphylococcus aureus.


Um zu untersuchen, wie häufig MRSA-Bakterien in der Region vorkommen, nahmen die Forscher des Klinikums Nasenabstriche von 1.827 Bewohnern Braunschweiger Altenheime. Sie untersuchten, ob Staphylococcus aureus-Keime in den Proben vorkamen und ob es sich um antibiotikaresistente MRSA-Bakterien handelte. „MRSA ist ein weltweites Gesundheitsproblem, das vor allem Risikogruppen wie alte Menschen betrifft“, sagt Bautsch. In 139 Proben fanden die Wissenschaftler MRSA-Keime, obgleich in den Heimen vor den Untersuchungen nur 24 Bewohner als Träger von MRSA bekannt waren. „Dies bedeutet, dass der Großteil der MRSA-Träger in den Heimen nicht als solche erkannt wurden“, so Wilfried Bautsch, Chefarzt im Institut für Mikrobiologie, Immunologie und Krankenhaushygiene am Städtischen Klinikum Braunschweig


Wissenschaftler des HZI klassifizierten die MRSA-Stämme dann weiter. Sie fanden heraus: bei mehr als 70 Prozent der MRSA-positiven Proben handelt es sich um den MRSA-Stamm „Barnim“, der häufig in Norddeutschland vorkommt. Europa- und weltweit kommen bestimmte MRSA-Stämme regional gehäuft vor. „Wir möchten in Zukunft die Ursachen für diese Verteilung untersuchen“, sagt Dr. Dietmar Pieper, Leiter der Arbeitsgruppe „Mikrobielle Interaktionen und Prozesse“ am HZI.


Veröffentlichung:


Prevalence and molecular epidemiology of Methicillin-resistant Staphylococcus aureus in nursing home residents in Northern Germany. Sabine Pfingsten-Würzburg, Dietmar H. Pieper, Wilfried Bautsch, Michael Probst-Kepper. J Hosp Infect. 2011 Jun;78(2):108-12.

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