Logopädische Versorgung in Niedersachsen bedroht

Vor einem Zusammenbruch der ambulanten logopädischen Versorgung in Niedersachsen hat heute die Präsidentin des Deutschen Bundesverbandes für Logopädie e.V. (dbl), Dagmar Karrasch, gewarnt. "Völlig überraschend hat das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung am 8. März 2021 in der Neufassung der niedersächsischen Corona-Verordnung verfügt, dass in logopädischen Praxen von allen Patienten bei jedem einzelnen Praxisbesuch ein negativer Corona-Test verlangt wird. Diese Vorschrift bewirkt, dass die logopädische Versorgung für sehr viele Patienten - insbesondere für ältere und schwer erkrankte Menschen - ohne Not unmöglich gemacht wird und muss zurückgenommen werden", warnt Karrasch.


Die in § 10 Abs. 1c der Verordnung verankerte Testpflicht, die bisher aufgrund der hervorragenden Hygiene-Managements in der ambulanten Logopädie in keinem Bundesland verlangt worden ist, erhöht nach Ansicht des Verbandes die Hürden für die logopädische Versorgung im direkten Kontakt und fußt zudem auf falschen Annahmen über die Hygiene-Schutzstandards in diesem humanmedizinischen Heilberuf. Offensichtlich gehe das Ministerium fälschlicherweise davon aus, dass im Rahmen einer logopädischen Behandlung eine "erforderliche medizinische Maske nicht dauerhaft getragen werden kann", wie es in der Pressemitteilung heiße.

"Dabei werden in ganz Deutschland jeden Tag tausende von Patientinnen und Patienten unter strengen Hygienemaßnahmen und unter Nutzung medizinischer Masken seit Beginn der Pandemie in logopädischen Praxen und auch im Hausbesuch erfolgreich behandelt. Es ist absolut unverständlich, warum dies gerade jetzt, da in vielen Bereichen sogar Lockerungen der Schutzmaßnahmen beschlossen worden sind, in Niedersachsen nicht mehr möglich sein soll", so die dbl-Präsidentin.


Dabei verweist Karrasch auf den "Leitfaden Hygiene und Infektionsschutz" des Verbandes, auf das gemeinsam mit dem Hygiene Technologie Kompetenzzentrum Bamberg (einem staatlich geförderten, unabhängigen Unternehmen) erarbeitete Konzept für ein "Risikoarmes Arbeiten im Alltag einer Logopädischen Praxis" und auf den "SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard-Logopädie" der zuständigen Berufsgenossenschaft.