Europas Kinder in Gefahr

Wissenschaftler warnten bereits 2010 vor einem Zusammenhang zwischen der Verabreichung des Schweinegrippe-Impfstoffs Pandemrix und dem Auftreten der lebensbedrohlichen Narkolepsie bei Kindern - die Bundesregierung kaufte trotzdem per Geheimvertrag Millionen Impfstoffdosen beim britischen Pharmahersteller GlaxoSmithKline ein. Der Vertrag zwischen Bundesregierung und GlaxoSmithKline garantierte dem britischen Unternehmen Umsätze in dreistelliger Millionenhöhe, während eine Klausel die Haftung für Nebenwirkungen auf den Bund übertrug. Jetzt weisen auf Grund neuer Daten auch die britische Gesundheitsbehörde HPA den Zusammenhang zwischen Pandemrix-Impfung und Schlafkrankheit bei Kindern in UK nach, jenseits des Atlantik betont die Seuchenschutzbehörde CDC kurzerhand, das "Pandemrix nie für die USA zugelassen wurde". Lediglich die Bundesregierung und ihr Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) scheinen davon nicht viel mitzubekommen. Lesen sie nachfolgend einen exklusiven Auszug aus dem im Jahr 2011 bei Carl Hanser erschienenem Buch "Die Viren-Lüge. Wie die Pharmaindustrie mit unseren Ängsten Milliarden verdient".


von Marita Vollborn und Vlad Georgescu



An den Februar des Jahres 2011 wird sich der eine oder andere Manager der Pharmaindustrie gerne erinnern. Es war ein guter Monat. In Libyen kämpfte der gefürchtete Diktator Muammar al-Gaddafi um seine Macht, kurz zuvor hatte Autokrat Hosni Mubarak in Ägypten seinen Posten als Staatspräsident räumen müssen. Der Geist der Revolution erfasste im Bonsai-Format auch die Wissenschaftselite in Deutschland, wo sich gegen die kopierte Doktorarbeit des damaligen Verteidigungsministers so großer Widerstand regte, dass ein mehr als unglücklich agierender Karl-Theodor zu Guttenberg schließlich zurücktrat. Weil der Minister a.D. in Umfragen der beliebteste Politiker Deutschlands war, hielt die Diskussion über die „Copy-Paste“-Affäre noch Wochen an. Parallel zu solchen Themen bestimmte eine weitere Meldung den Februar. Sollten Autofahrer den kuriosen Biosprit E10 tanken, oder lieber nicht? Wirtschaftsminister und ADAC stritten über die Verantwortlichen des angerichteten Chaos rund um eine Sprit-Art­, die, schlimmstenfalls, Benzinleitungen oder Motoren der Karossen zersetzt, wenn die Autos nicht für die Aufnahme des Treibstoffs konzipiert sind. Vor allem Managern des britischen Arzneimittelherstellers GlaxoSmithKline dürften Nachrichten wie diese wie ein Geschenk des Himmels vorgekommen sein – weil eine für den Hersteller des Schweinegrippeimpfstoffs „Pandemrix“ verheerende Nachricht nahezu unbeachtet unterging.


Kein geringerer als der Direktor der finnischen nationalen Gesundheitsbehörde „National Institute of Health and Welfare (THL)“, Terhi Kilpi, warnte in einer ebenso dramatischen wie unmissverständlichen Mitteilung Ärzte vor einer unerwarteten Nebenwirkung des Vakzins „Pandemrix“.i Die Verabreichung hatte in Finnland bei Kindern und Jugendlichen nur acht Monate nach der Impfung zu einem auffälligen Anstieg der Fallzahlen von Narkolepsie geführt. Betroffen von der als „Schlafkrankheit“ bezeichneten Malaise waren Patienten zwischen vier und 19 Jahren.