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Erdwärmepumpen in Schweden – ein Erfolgsmodell

Wärmepumpen sind eine klimafreundliche und effiziente Möglichkeit, Gebäude zu heizen und zu kühlen. In Schweden, einem Land mit langen und kalten Wintern, sind sie besonders beliebt und verbreitet. Laut dem Bundesverband Wärmepumpe e.V. liegt der Anteil der Erneuerbaren am Energieverbrauch in Schweden bei knapp 55 Prozent, während Deutschland nur auf 15,5 Prozent kommt. Wie hat Schweden es geschafft, ganz ohne GEG und Robert Habeck zum Vorreiter in Sachen Wärmepumpen zu werden?

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Photo by Jonathan Petersson on Pexels.com

Die Geschichte der Wärmepumpen in Schweden begann schon in den 1970er Jahren, als das Land nach der Ölkrise seine Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen reduzieren wollte. Damals wurden vor allem Luft-Luft-Wärmepumpen installiert, die die Außenluft als Wärmequelle nutzen und die warme Luft direkt ins Haus blasen. Diese Technik ist einfach und kostengünstig, hat aber den Nachteil, dass sie bei sehr niedrigen Temperaturen an Effizienz verliert.

In den 1980er Jahren kamen dann die Erdwärmepumpen auf den Markt, die die im Boden gespeicherte Sonnenenergie nutzen. Dazu wird eine Flüssigkeit durch ein Rohrsystem im Erdreich gepumpt, die die Wärme aufnimmt und an einen Verdichter weiterleitet. Der Verdichter erhöht den Druck und damit die Temperatur der Flüssigkeit, die dann über einen Wärmetauscher das Heizsystem des Hauses versorgt. Diese Technik ist deutlich effizienter und unabhängiger von der Außentemperatur, erfordert aber auch mehr Platz und Investitionskosten.

Heute sind Erdwärmepumpen die am weitesten verbreitete Art von Wärmepumpen in Schweden. Laut dem schwedischen Energieministerium gab es Ende 2019 rund 1,2 Millionen installierte Wärmepumpen im Land, davon etwa 600.000 Erdwärmepumpen. Damit ist Schweden weltweit führend bei der Nutzung von Erdwärme. Zum Vergleich: In Deutschland gab es Ende 2019 rund 930.000 installierte Wärmepumpen, davon etwa 360.000 Erdwärmepumpen.

Einer der wichtigsten Faktoren für den Erfolg der Wärmepumpen in Schweden ist die hohe CO₂-Steuer, die das Land schon 1991 eingeführt hat. Diese macht das Heizen mit fossilen Brennstoffen wie Öl oder Gas deutlich teurer als mit erneuerbaren Energien wie Erdwärme oder Biomasse. Die CO₂-Steuer liegt in Schweden bei umgerechnet rund 110 Euro pro Tonne CO₂, während sie in Deutschland erst seit diesem Jahr bei 25 Euro pro Tonne CO₂ liegt. Die hohe CO₂-Steuer hat dazu geführt, dass viele Hausbesitzer ihre alten Ölheizungen durch Wärmepumpen ersetzt haben, was nicht nur die Umwelt schont, sondern auch die Heizkosten senkt.

Ein weiterer Faktor ist die gute Verfügbarkeit von Erdwärme in Schweden. Das Land verfügt über große Flächen mit geringer Bebauungsdichte, was das Bohren von Erdsonden erleichtert. Zudem ist der Untergrund meist aus Granit oder Gneis, was eine gute Wärmeleitfähigkeit hat. Die durchschnittliche Tiefe einer Erdsonde in Schweden liegt bei etwa 200 Metern, was ausreicht, um eine konstante Temperatur von etwa 10 Grad Celsius zu erreichen. In Deutschland liegt die durchschnittliche Tiefe einer Erdsonde bei etwa 100 Metern, was je nach Region zu geringeren Temperaturen führen kann.

Neben den technischen und wirtschaftlichen Vorteilen spielen auch kulturelle und politische Aspekte eine Rolle für die Verbreitung von Wärmepumpen in Schweden. Das Land hat eine lange Tradition der Selbstversorgung und des Umweltschutzes, was sich auch in einer hohen Akzeptanz und Nachfrage nach erneuerbaren Energien widerspiegelt. Zudem gibt es eine breite politische Unterstützung für das Ziel, bis 2045 CO₂-neutral zu werden. Dafür sind auch weitere Anstrengungen im Verkehrs- und Industriesektor nötig, wo noch ein hoher Anteil fossiler Energien genutzt wird.

Die Zukunft der Wärmepumpen in Schweden sieht vielversprechend aus. Die Technik wird ständig weiterentwickelt und verbessert, um noch höhere Effizienzen und geringere Kosten zu erreichen. Zum Beispiel werden vermehrt Hybrid-Wärmepumpen eingesetzt, die mehrere Wärmequellen wie Luft, Wasser oder Solar kombinieren können. Auch neue Anwendungen wie die Kühlung von Gebäuden oder die Nutzung von Abwärme aus Industrie oder Serverräumen bieten Potenzial für weitere Energieeinsparungen.

Wärmepumpen sind ein wichtiger Baustein für eine klimafreundliche Energieversorgung in Schweden und darüber hinaus. Sie zeigen, wie sich Komfort und Nachhaltigkeit miteinander verbinden lassen. Mit dem richtigen politischen Rahmen und einer hohen gesellschaftlichen Akzeptanz können sie einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

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