Entgleisung mit Säge

(Kommentar) Wohl nirgendwo sonst ist der Bruch des Menschen mit seiner natürlichen Lebenswelt so offensichtlich wie an seinem Umgang mit Bäumen. Bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt säumen beispielsweise diese Stammkrüppel einen Feldweg (!) nahe Beierfelde bei Osterode am Harz. Hier wurden die jahrzehntealten Bäume gekappt und in regelmäßigen Abständen komplett ihrer Not-Krone beraubt - dieses Jahr war es wieder einmal so weit.



Wer im Landkreis Göttingen seine Stimme gegen solcherlei Baum-Vandalismus erhebt, stößt bei Behörden und Verantwortlichen auf vernichtende Arroganz. Dabei fordert das Motorsägen-Gemetzel immer mehr des vordem gesunden Baumbestandes. Jahrzehnte alte Bäume nicht nur in der Feldflur, sondern auch in Stadt und Dorf werden krankgeschnitten; ursprünglich widerstandsfähigen Großbäume verlieren ihre Vitalität, werden zu Opfern von Wetter und Schaderregern und müssen, nach einigen Jahren des vergeblichen Kampfes um den Ersatz ihrer geraubten Blattmasse, dann tatsächlich gefällt werden. Kein Gedanke an den entwaldeten Harz, kein Gedanke an die entnadelten Fichtenbestände und trockenheitsgeplagten Laubbäume im Land, an die geschredderten Feldgehölze und das gerodete "Straßenbegleitgrün", kein Gedanke auch an Entgrünungswut und Verschotterungslust der Privatgärtner.

Wie degeneriert muss der Sinn fürs natürlich Schöne und Unversehrte sein, wenn man eine solche Barbarei beauftragt? Oder sind es nicht nur fehlendes Fachwissen, Desinteresse und Bequemlichkeit, die "Landschaftsgärtner" und Baumschnitter befugen, Bäume ihrer Krone oder Teile davon zu berauben? Passiert dies womöglich aus ganz banalem Grund: den ortsansässigen Firmen - und deren bekannten und allseits geachteten Vertretern - mit entsprechenden Aufträgen dienlich zu sein?


Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Die US Regierung stattet die Ukraine mit dem M142 Himars Mittelstrecken-Raketensystem (MLRS) aus, deren Reichweite bis Russland beträgt. Allerdings habe Kiev zugesichert, kein russisches Territorium