Bestsellerautoren: Solidarität mit Jan Josef Liefers

Jan Josef Liefers hat es gewagt, die Corona-Politik der Bundesregierung zu kritisieren. Diese vom deutschen Grundgesetz (noch) geschützte Meinungsäußerung nahm SPD-Rundfunkrat Garrelt Duin zum Anlass, ein Berufsverbot für Schauspieler Liefers zu fordern. Wir, Vlad Dan Georgescu und Marita Vollborn, sichern Jan Josef Liefers unsere uneingeschränkte Solidarität zu und fordern Duin auf, umgehend seinen Posten als Rundfunkrat zu räumen.


Jan Josef Liefers zählt zu den Menschen, die am 4. November 1989 auf der großen Kundgebung in Ostberlin auf dem Alexanderplatz die eigene Zukunft riskierten, um gegen den SED-Unrechtsstaat anzukämpfen. Auf eben dieser Kundgebung habe ich, Marita, Liefers gesehen, gehört und Beifall gespendet - ich erlebte die "friedliche Revolution" als Demonstrantin unter Zigtausend anderen mit.


Damals hatte das Volk es satt, von einem Regime eigener Gnaden bevormundet zu werden. Es hatte satt, in Angst vor Haft, Berufsverbot, Restriktionen und Sippenhaft leben zu müssen, wenn man es wagte, die Stimme zu erheben. Und es hatte die Gängelung durch ein Regime satt, das die Presse-, Bewegungs- und Reisefreiheit aus Gründen einschränkt, die nicht mit Fakten zu belegen waren, sondern einzig Bedrohungsszenarien folgten, in Parolen schwelgte und Feindbilder in die Köpf zu pflanzen versuchte. Damals waren die Menschen auf die Straßen geströmt, weil sie sich nach einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung sehnten. Und in den alten Bundesländern verfolgten viele Befürworter des Umbruchs das Geschehen mit wachsender Ungeduld. Auch ich, Vlad, gehörte zu jenen "Westdeutschen", die auf den Sieg der vielbeschworenen Freiheit hofften, auf den Fall der Mauer, ein Ende der Willkürherrschaft und den Beginn einer Ära, die eine echte Demokratie für ganz Europa verhieß.


Es waren Menschen wie Liefers, und all die anderen damals Versammelten, die gegen Diktatur und Unrecht einstanden. Sie riskierten nicht nur ihre eigene Zukunft. Sie riskierten, wie die Ereignisse auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking zeigten, auch ihr Leben. Niemand wusste, wie DDR-Staatsrat und Verbündete reagieren würden. In den Gassen standen einsatzbereit die Mannschaftswagen; Polizei, Militär und Zivilverteidigung versperrte, bis unter die Zähne bewaffnet, die Seitenstraßen.


Liefers hat 2021, rund drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall, erneut die Initiative ergriffen. Er stellt unbequeme, doch berechtigte Fragen. Er stellt den Inzidenz-Wahn als einzig anerkannte Größe im Kampf gegen die Pandemie in Frage. Und er hinterfragt die Kompetenz jener, die das Land durch eine wahnhafte Lockdown-Manie in den Ruin führen.


Noch gelten Kunst und Kultur in Deutschland als frei. Die Forderung von SPD-Rundfunkrat Duin erinnert daher an unrühmliche Zeiten. Berufsverbote für Andersdenkende und Juden waren vor dem Zweiten Weltkrieg erst der Anfang. Was folgte, waren Konzentrationslager und Krieg. Heftig drangsaliert wurden auch die Dissidenten in der DDR. Nach der Haft folgte ein Leben in Ausgrenzung: kein Studium, keine Ausbildung - minderqualifizierte Tätigkeiten in Fleischfabriken, Müllsortieranlagen, als Reinigungskräfte oder Hilfsarbeiter - und die Enthebung naher Verwandter von höheren Posten waren die Strafe für kritisches Denken und Sagen.


Wohin also führt uns die derzeitige Politriege, führt uns eine Bundesregierung, die sich zum Marionetten-Ensemble der Pharmaindustrie mauserte, die der Branche nicht nur unverschämte Milliardengewinne beschert, sondern gleichzeitig aller Verantwortung enthebt, Zulassungswege verkürzt und Zulassungsverfahren glättet? Wie viel Wert im Sinne einer gesunden Demokratie besitzt eine Bundesregierung, die korrupte "Volksvertreter" nicht nur duldet, sondern auch schützt, die Hasstiraden und andere verbale Entgleisungen ihrer Mitglieder geradezu forciert und der das wirtschaftliche Überleben Tausender Selbstständiger, kleiner und mittelständischen Unternehmen schlicht schnuppe ist?


Eine tiefe Spaltung der Bevölkerung, die zunehmende Radikalisierung auf beiden Seiten hätte unter Goebbels seine Berechtigung gehabt - Berufsverbote gegen Andersdenkende endeten in Nazi-Deutschland ebenfalls so. Und danach, wie die Geschichte uns lehrt, weitaus schlimmer.


Auch wenn unsere Macht und erst recht unsere Mittel begrenzt sind - wir danken Jan Josef Liefers und allen, die sich an der Aktion der 50 Schauspieler*innen beteiligten und nach wie vor dazu stehen, für ihren Mut und ihre Offenheit. Und wir sagen ihnen unsere Unterstützung zu.


Als Wissenschaftsjournalisten können wir dazu beitragen, evidenzbasierte Fakten in die Diskussion einzubringen, ohne die es - auch das zeigt die Geschichte - keine friedliche Lösung der Krise geben wird.


Osterode am Harz, 25. April 2021


Marita Vollborn

Vlad D. Georgescu



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