Bauhof Osterode: zu viel Geld?

(Kommentar) Diese Frage ist wohl eindeutig mit "Ja!" zu beantworten - denn was in Osterode alle Jahre wieder in den Herbst-/Winter-Monaten zu beobachten ist, ist nicht nur ökologisch, sondern auch finanztechnisch fraglich.


In unserem heutigen Beispiel hat es den Randstreifen der Schwimmbadstraße getroffen. Und nicht nur dieser wurde auf Bauhof-üble Weise malträtiert, sondern auch der eines selten befahrenen Seitenweges.


In einer Zeit, in der jeder Baum, jeder Strauch zählt, lässt die Stadt Osterode schnippeln, wo immer es öffentliches Grün gibt. Es ist peinlich, dass die Verantwortlichen nach wie vor Kahlschlag betreiben, wo kein Kahlschlag notwendig ist.



Nehmen wir das Beispiel Randgrün der Schwimmbadstraße. Im oberen Abschnitt ab der Fahrschule steht seit vielen Jahren ein Mischbestand aus Bäumen und Sträuchern. Dieser Streifen wildes Grün hat nie einer Menschenseele etwas getan: Kein Ast hat ein Auto getroffen, geschweige einen Menschen verletzt; die Äste strebten gen Himmel, wie es die Natur vorgesehen hat.


Doch die an sich arbeitsarme Zeit zwischen Herbst und Frühjahr trieb den Bauhof auch dieses Jahr dazu, die Arbeitsbeschaffungsmaßnahme "Fällen und Schreddern" anzuordnen. Zwei Mann, hochgerüstet mit Motorsäge und Holzhäcksler, rückten denn auch mehrere Tage dem harmlosen Grün zu Leibe.


Was sie hinterließen, ist ruinierter Lebensraum. Was man sehen kann, spricht Bände für die Politik, das Fachwissen, das Interesse und das ökologische Verständnis der Stadt Osterode: Nichts von dem scheint nämlich vorhanden:


  1. Die Maßnahme war teuer. Das Geld für die Aufwendung (Lohnkosten, Kosten für Maschinen und Geräte etc.) ist mit öffentlichen Mitteln finanziert. Legt man z.B. Gesamtkosten von 50 Euro pro Stunde zugrunde, hat der Bauhof für diese unsinnige Maßnahme 2.800 Euro an Steuergeld vergeudet. Da es sich hierbei nur um EIN Beispiel handelt, im Laufe der Herbst-/Winter-Saison aber viele weitere dieser Maßnahmen durchgeführt werden, dürften sich die Gesamtkosten auf fünfstellige Beträge summieren.

  2. Die Maßnahme war überflüssig. Der "Verkehrssicherungspflicht" war über die Jahre hinweg mit dem Schnitt des Begleitgrüns auf einem Streifen von mehreren Metern ausreichend Genüge getan worden.

  3. Die Maßnahme war fachlich falsch. Bäume und Sträucher zu kappen, entspricht in keiner Weise gärtnerischem Grundlagenwissen: Der kastenförmige Schnitt zerstört den natürlichen Habitus der Pflanze und lässt ein undefinierbares Gebilde entstehen. Das Gehölz verkahlt innen, die Blütenbildung wird unterdrückt, starke Triebe werden von Pilzen befallen, die Pflanze wird geschwächt. Gehölze, die so verschnitten werden, sind krankgeschnittene Gehölze, die die Verkehrssicherheit dann tatsächlich gefährden.

  4. Die Maßnahme war ein schwerer Eingriff in einen städtischen Lebensraum. Auf den unbedarften Betrachter "verwildert" wirkende Areale sind wichtige Rückzugsorte für Insekten, Spinnen, Kleinsäuger und Vögel. Sie bieten nicht nur Unterschlupf, sondern dienen auch der Nahrungsfindung, als Kinderstube und Überwinterungsquartier. Gerade Insekten, die bei kühleren Temperaturen erstarren, wurden verhäckselt. Mehrere Quadratmeter große Areale der Schneebeere sind Motorsäge und Schredder zum Opfer gefallen. Dabei ist die Schneebeere besonders für kurz- und mittelrüsselige Insekten wie Bienen, Wespen und Schwebfliegen wichtig, da sie zu einer Zeit blüht, in der kaum mehr Blüten zu finden sind, nämlich bis in den Herbst hinein. Die im Winter lange haftenden Früchte werden von Drosseln und Finken gefressen. Insgesamt sind Gebüsche essentiell für das Überleben von verschiedenen Eulenfaltern, Ohrwürmern und Spinnen. Ein weiterer Aspekt: Das beim Kahlschlag angefallene Schreddermaterial wurde am Hang belassen. Das bringt gleich mehrere Probleme mit sich. Die Mulchmasse begräbt sämtlichen Bewuchs unter sich - vor allem auch die so wichtigen, aber konkurrenzschwachen und empfindlichen Wildkräuter. Auch die Überwinterungsstadien von Insekten haben unter der Decke aus Holz keine Chance und sterben ab. Holz verrottet nur langsam; schon bald bildet sich darunter Fäulnis, die wiederum negative Auswirkungen auf den ph-Wert des Bodens und die Nährstoffzusammensetzung hat, was wiederum Pflanzenwuchs und Bodenlebewesen negativ beeinflusst.

Wo also ist sie, die Verantwortung für unsere Umwelt, von der wir ja alle abhängig sind? Man sucht sie vergebens - beim Bauhof, beim Bauamt, beim "neuen" Bürgermeister: Die alte Grünflächenpolitik ist die neue, geändert hat sich nichts.



P.S.Die Kosten der überbordenden Technik, die der Bauhof selbstverständlich aus Steuermitteln finanziert hat - um gleichzeitig Leute und eingekaufte Leistung einzusparen - wurde und wird der Öffentlichkeit vorenthalten.

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