Auge um Auge, Strauch für Strauch: Kahlschlag an der L523

(Kommentar) Winterzeit ist Kampfzeit! Der Feind: Straßenbegleitgrün. Diesmal traf es die L523 zwischen Osterode am Harz und Schwiegershausen im Landkreis Göttingen. Mit Motorsäge und Schredder rückte ein Trupp fällmanischer Eiferer aus, um die Hänge zu rasieren. Es fiel alles, was Strauch und Minibaum war - ohne Rücksicht darauf, dass hier vormals Heckenbraunelle, Grasmücke & Co einen Brutplatz fanden, sich Zug- und Standvögel an den Früchten laben konnten, die Haselmaus einen Ersatzlebensraum fand. Jetzt ersticken Berge an Häcksel die wenigen Wildblumen, und die entastesten Stämmlinge bezeugen traurig Borniertheit und Ignoranz.


Freundliche Menschen würden das Gemetzel als überzogen bezeichnen, solche, die wie wir den weltweiten Rückgang der Biodiversität mit Furcht betrachten, nennen es Vernichtung, beauftragt von begriffsstutzigen Anachronisten.


Obwohl inzwischen die Kenntnis vom großen Sterben auch in die Ämter der Behörden gesickert sein dürfte, heißt es im Raum Göttingen nach wie vor: Hauptsache wech. Mucker werden mit dem Totschlagargument Verkehrssicherheit zum Schweigen gebracht, wissenschaftliche Erkenntnisse oder gute Beispiele aus anderen Bundesländern wohlweislich ignoriert. Arbeitsbeschaffung und Auslastung des teuren Maschinenparks haben im Vorland des Harzes, den Klima und Käfer inzwischen großflächig entwaldet haben, Priorität.


Dass das Grün in und um die Städte und Gemeinden in Anbetracht der rund 300.000 Hektar verlorener Waldfläche in Deutschland einer bewussten, sensiblen Pflege bedarf und vor allem erhaltenswert ist, mag Fakt sein - Grund genug, die Verantwortlichen (immerhin in Lohn und Brot des Steuerzahlers) zum Umdenken zu bewegen, ist es nicht.













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