Atomkraftwerke bleiben laut DIW störanfällig und unzuverlässig

Am kommenden 11. März 2021 jährt sich die Nuklearkatastrophe im japanischen Fukushima zum zehnten Mal. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zeigt nun, dass es "weltweit bis heute regelmäßig zu Zwischenfällen in Atomanlagen kommt, auch wenn sie meistens weniger folgenschwer sind".


Auch im normalen Betrieb müssen dem DIW zufolge Kraftwerke immer wieder vom Netz genommen werden, was zu erheblichen Ausfallzeiten führe.


Wegen der Unterbrechungen, die in erster Linie nicht durch Unfälle, sondern etwa durch notwendige Brennstoffwechsel, Wartungen von Anlagen oder gestiegene Sicherheitsanforderungen verursacht würden, könne rund ein Drittel der Kapazität aller Kernkraftwerke nicht zur Stromerzeugung genutzt werden.


„Kernkraft ist nicht vollständig beherrschbar und auch nicht konstant verfügbar“, summiert Studienautor Ben Wealer. „Wegen langer, geplanter und ungeplanter Ausfallzeiten sind Backup-Kapazitäten notwendig. Damit ist Kernkraft als Energielieferant auch aus ökonomischer Sicht nicht zukunftsträchtig.“


Die Studie des DIW dürfte indes Multimilliardär Bill Gates wenig erfreuen. Der hatte sich unlängst für die verstärkte Verwendung von Kernkraft ausgesprochen, um aus seiner Sicht auf diese Weise den Klimawandel zu bekämpfen.


Dass die Risiken der Kernkraft nicht nur durch Bill Gates oft unterschätzt werden, liegt den WissenschaftlerInnen zufolge auch daran, dass es keine einheitliche Bewertungsskala für Kernenergie-Unfälle gibt. Ursache dafür sei eine inkonsistente technische und sozioökonomische Bewertung der Zwischenfälle. Hier sollten stattdessen empirische Bewertungsmodelle zum Einsatz kommen, so die Forscher.


Die DIW-Studie nimmt exemplarisch die Kernkraftwerke in Frankreich und Deutschland unter die Lupe. In Frankreich, dem nach den USA weltweit zweitgrößten Produzenten von Strom aus Kernenergie, ist die Ausfallrate von Atommeilern recht hoch: Seit den 1970er Jahren wurden mehr als 30 Prozent der Kapazitäten nicht genutzt. Auch in Deutschland werden immer wieder erhebliche Ausfallzeiten registriert. Die Kapazitätsauslastung liegt aber bei mehr als 70 Prozent und damit über der von Frankreich und dem weltweiten Durchschnitt von 66 Prozent.


"Gerade in Frankreich konnte im Detail gezeigt werden, dass selbst geplante Ausfallzeiten ungewollte Schwankungen in der Stromerzeugung verursachen und Kernkraft somit die Grundlast nicht decken kann", so das DIW.


Das Unglück von Fukushima habe den Bedeutungsrückgang von Kernkraft für die internationale Energiewirtschaft weiter beschleunigt. Derzeit liege ihr Anteil an der globalen Stromerzeugung bei lediglich rund zehn Prozent – Tendenz weiter fallend. Entgegen den empirischen Beobachtungen rückläufiger Investitionen würden Energiesystemmodelle der Kernkraft vor allem wegen geringerer CO2-Emissionen aber zum Teil eine wachsende Bedeutung in der Zukunft beimessen. Die Modelle vernachlässitgen der DIW-Studie zufolge die hohen Sicherheitsrisiken und die fluktuierende Fahrweise der Kernkraftwerke.


Quelle:


DIW Wochenbericht 8 / 2021, S. 107-115


Ben Wealer, Christian von Hirschhausen, Claudia Kemfert, Fabian Präger, Björn Steigerwald



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